Stammes-Ritual

Der gebürtige Pole Jozek Nowak schafft seine berühmten Wesen aus Holz in stiller Abgeschiedenheit. Bei start´18, dem internationalen Fest für zeitgenössische Skulptur, kann das Publikum ihm live bei der Arbeit zusehen.

Holz ist einer der ältesten Werkstoffe der Kunst: Seine Geschichte reicht zurück bis zu den Dienerfiguren in den Gräbern des Alten Ägyptens, zu deren Konservierung das trocken-heiße Klima Nordafrikas beitrug. In Europa erlebte die Holzschnitzkunst ihre Blütezeit in den prächtigen Chorgestühlen und Kruzifixen des Mittelalters und der Renaissance und in der Schnitzkunst Tilman Riemenschneiders. In der Neugotik lebte die Holzschnitzkunst wieder auf. Später bewunderten Gauguin und Picasso die archaische Magie afrikanischer und ozeanischer Masken. Dann kam Holz komplett aus der Mode. In der Skulptur brach die Zeit von Stahl und Bronze an. Von Holz über Wald bis zum Hinterwäldlerischen ist es seitdem semantisch nur ein kurzer Weg. Vielleicht auch deshalb fühlte sich die Leiterin der Kasseler documenta 13, Carolyn Christov-Bakargiev, 2012 in Kassel von einer Skulptur des Künstlers Stephan Balkenhol  „bedroht“. Eine Holzskulptur von Balkenhol, das sei „nicht documenta“, ließ sie verlauten. Oder andersherum: In einer Zeit steriler Apple-Ästhetik entfaltet Holz offenbar geradezu subversives Potential.

 
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