Part II – sculpture by the sea – Künstler bei sculpture by the sea

Stürmische Winde ziehen über Tamarana Beach, Sydney. Angeblich ist der Frühling entsprungen, aber niemand hat es ihm gesagt - also sitze ich da und stricke im Duett, während Regen auf mein Gesicht prasselt.

Karl-Christian Geleff stammt ursprünglich aus Dänemark, lebt und arbeitet aber in Sheffield. Wie viele Künstler, die sich bei sculpture by the sea beteiligen, ist er wirklich "international". Künstler sind schon immer um die Welt gereist, um Arbeitsmöglichkeiten zu finden - so hat sich dort trotz der Globalisierungsdebatte nichts geändert, nur die Entfernungen sind größer geworden. 
Für viele Künstler hier bedeutete dies, Tonnen von Material aus aller Welt an diese beiden Strände in Australien zu bringen. Am Ende werden alle Künstler mehr als 350.000 Meilen zurückgelegt haben (Sie können sie durch die "Buy a Mile"-Kampagne unterstützen), um ihre Arbeit den mehr als 500.000 Zuschauern zu zeigen.

Für Karl und seine Strick-Performance gibt es keinen materiellen Trubel - nur viele freundliche Gespräche mit Passanten - wie ein Stein sitzt er da, im stürmischen Vorfrühlingswetter Australiens.

Für sculpture network-Mitglied Peter Lundberg bedeutete die Finanzkrise 2008 einen Wendepunkt. Sinkende Umsätze in Europa und eine wachsende Nachfrage in Australien ließen ihn seinen Fokus verschieben. 
Ein Schritt, den er nie bereut hat - ganz im Gegenteil. Sein Kunstwerk ist mit mehr als 10 Metern Höhe das höchste Stück der diesjährigen Bondi-Ausstellung. Er verbringt ein paar Monate im Jahr in Australien - seine Bronzegüsse werden in China hergestellt, Qualität und Preis der Produktion machen hier wirklich einen Unterschied. 
Einige seiner Arbeiten werden Teil des neu gegründeten Hillview Sculpture Park (Biennale 2018) sein.

Harrie Fasher hat eine besonders bewegende Geschichte zu erzählen - ihre monumentale Skulptur "The last Charge" gibt den letzten erfolgreichen Kavallerieangriff in der Kriegsgeschichte wider. Einer ihrer Vorfahren war in die Schlacht von Beersheba verwickelt. Wenn sie über den Anlass spricht, spürt man ihre Leidenschaft und ihre emotionale Einbindung. Das Kunstwerk fängt die rohe Emotion des Angriffs bei der Schlacht von Beersheba am 31. Oktober 1917 ein. Diese furchterregende Vision der Kavallerie in voller Fahrt erinnert an das Dröhnen und Chaos des Kampfes und die unermüdliche Verbindung zwischen Pferd und Reiter. Geschmiedet aus verrosteten und gedrehten Stahlstäben. Die Pferde verkörpern den Menschen und kanalisieren die Gewalt und Entschlossenheit, die zum Sieg in Beersheba führten.


(Harrie Fasher: Tha last Charge. Photocredit: André Kirberg)
 
(Ralf Kirberg mit seinem neuen
Kunstwerk von Marcus Tatton.
Photocredit: André Kirberg)

Marcus Tatton kam aus Tasmanien angereist - der kleinen Insel bei Melbourne, die vor allem für ihren Teufel bekannt ist. Seine große Installation steht im Zentrum der sculpture by the sea Ausstellung. Seine Vision ist es, eine einbeziehende Skulptur zu schaffen – wenn man sich die Anzahl der Kinder ansieht, die auf seiner Arbeit im Freien klettern, ist diese Mission erfüllt. Marcus, ein ehemaliges Mitglied von sculpture network, erzählt uns von den Herausforderungen seines Künstlerlebens in Tasmanien - tatsächlich hören wir hin und wieder eine ähnliche Geschichte. 
Die Kunstwerke im ganzen Land herumzuschaffen, ist eine große Herausforderung. 
Ein Künstler erzählt uns, dass er 4.000 km nach Hause fahren muss - es ist die schiere Größe Australiens, die uns erstaunt (wir haben eine 1.000 km lange Fahrt nach Melbourne vor uns). Ein Bildhauer in Australien zu sein ist ein hartes Geschäft!

(Karl Geleff untersucht die Arbeit von
Zadok Ben-David (hinten).
Photocredit: André Kirberg)

Eine der denkwürdigsten Begegnungen in Australien war Zadok Ben-David. Wir treffen uns ab und zu während unserer sieben Tage in Sydney. Zadok ist eine bemerkenswerte Person voller Geschichten. Die interessanteste erzählt er während seiner Keynote auf der Skulpturenkonferenz in Sydney. Es geht darum, ein Buch nicht nach seinem Umschlag zu beurteilen.

Die Kurzversion: er traf einen Stahlproduzenten, bei dem er seine nächsten Kunstwerke produzieren wollte. Der Mann beharrt darauf eines von Zadoks Kunstwerken kaufen zu wollen. Zadok ist das unangenehm, da er davon ausgeht, dass der Stahlproduzent wie viele Leute den Preis des fertigen Kunstwerkes an dem Preis des Materials bemessen würde. Letzten Endes wird er in das Haus dieses Mannes eingeladen und findet eine riesige Kunstsammlung - er bemerkt seinen Fehler, den Mann und sein Kunstwissen nur anhand seines Aussehehns beurteilt zu haben.

"Niemals ein Buch nach seinem Umschlag beurteilen" ist die Botschaft, die er an das Publikum sendet und ein weiterer sehr wichtiger Satz:

"Du kaufst die Idee des Künstlers und nicht das Kunstwerk selbst."

 
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