Eine Bewegung hinter der traditionellen Trennung von Kunst und Architektur

Sol LeWitt, „die Vorrangigkeit der Idee vor der Umsetzung“

Sol LeWitt, Floor Structure (Well), 1963 - courtesy
LeWitt Collection - Untitled (B3 Model), 1966 courtesy
Collection Paula Cooper Early Wood Structure, 1962 ca
courtesy Estate of Sol LeWitt & Pace Gallery

Sol LeWitt (1928-2007) gehörte in den 1960er Jahren zu den Pionieren des Minimalismus und gilt als Mitbegründer Konzeptkunst. Sein Einfluss auf die zeitgenössische Kunst ist unbestritten und hat bis heute, über zehn Jahre nach seinem Tod, Bestand. Zuletzt zeigte die Ausstellung Between the Lines im Fondazione Carriero seine Werke, basierend auf einem innovativen Fokus der Interpretation und formulierte die Ansicht um, dass sich ein Werk an die Architektur anzupassen habe. Und auch für das Dachthema von sculpture network "Kunst und Architektur" sind seine Sculpture Series und theoretischen Schriften nicht uninteressant. 

Im Jahr 1967 veröffentlichte LeWitt seine Paragraphs on Conceptual Art, in denen er die Vorrangigkeit der Idee vor der Umsetzung postulierte und daher der Vorstellung und dem Prozess mehr Gewicht gab als dem Objekt. Dies markierte den Beginn einer kontinuierlichen Reduktion des Kunstwerks auf einen elementaren Zustand. Die Aufgabe des Künstlers sei es, ein Projekt zu formulieren, wohingegen mit dessen Umsetzung jeder betreut werden könne, vorausgesetzt, die Instruktionen würden beachtet werden. Sein Glaube an den Künstler als ein Schöpfer von Ideen gibt dieser Rolle eine neue Komponente und macht sie so dem Architekten ähnlich, der das Design eines Gebäudes entwickelt und dessen Umsetzung dann anderen überlässt.

Sol LeWitt, Wall Drawing #51
All architectural points connected by straight lines,
1970 - courtesy Estate of Sol LeWitt

Die Rolle der Architektur (und des Architekten) ist Teil der Beurteilung von LeWitts Werk. Es geht nicht nur um die Neigung zur Planung von Ideen, sondern auch um die Möglichkeit, die beide haben, um Räume neu zu formen. Sol LeWitts Werke sind Strukturen, Formen, die in Räume eingefügt werden und zwischen zwei- und dreidimensionalen Formen schwanken. Ihre geometrische Gleichmäßigkeit lässt sie zur idealen Grundlagen seiner Wandzeichnung werden: vervielfältigt, in Muster überführbar und wiederholbar in einer unendlichen Anzahl an weißen, schwarzen oder farbigen Formen, entweder fest oder offen. Diese Formen offenbaren ihre Loyalität gegenüber flachen Bildern und fordern die Schwerkraft gleichzeitig heraus. Sie lösen eine Reflektion aus, die Wandmalereien und Skulpturen ähnelt und dadurch einen Zugang zwischen Dimensionalität und Konstruktion erschafft.

Sol LeWitt, Wall Structure Black, 1962
courtesy Estate of Sol LeWitt & Pace Gallery

Viele dieser Figuren stehen ihrer Umgebung und ihren Eigenschaften gleichgültig gegenüber. Sie überschreiten Türen und Mauern und erschaffen so eine Kontinuität in der Architektur, ohne von der Spezifität des Ortes, an dem sie entwickelt wurden, betroffen zu sein. Das Werk ist von diesem Ort geprägt, auch wenn es nicht notwendigerweise mit diesem im Blick erdacht wurde. Daher eröffnen sich neue metaphysische Räume und zwar nicht mit Linien, Würfeln oder anderen geometrischen Formen, sondern durch die Vorstellung von eben diesen Linien, Würfeln und Formen.

 

 
...loading...
...upload...